Das Problem des verwirrten Gehorsams  

 

Der Gehorsam in der Kirche ist keine eigenständige autonome Frage. Der Gehorsam in der Kirche enthält sich innerhalb der Grenzen der Wahrheit und des Guten. Die Macht in der Kirche bleibt im Dienste des Gehorsams gegenüber dem Willen Gottes. Aus dem Grund kann niemand das Recht auf einen absoluten und totalen Gehorsam – außerhalb der Grenzen der Wahrheit und des Guten, jenseits des Göttlichen Willens, einfordern.

 

In den Zeiten der allgemeinen Verwirrung sind die Fragen der Erkenntnis der Wahrheit und des Gehorsams gegenüber der Wahrheit von signifikanter Bedeutung. Die Kirche erkennt die Wahrheit und lehrt sie in ihrem unfehlbaren Lehramt. Der Wahrheit muss man gehorsam sein.

 

Auf dem Kornfeld der Kirche wird – außer des gesundes Körnchens der Wahrheit  auch das Unkraut der Lüge und des Bösen ausgesät. Dieses Problem ist nicht neu, denn schon unser Herr Jesus sprach deutlich: „Inimicus homo hoc fecit“ – „Das hat ein Feind von mir getan.“ MT 13, 28.

 

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Unkraut leider schamlos und über alle Maße ausgebreitet und das Säen der gesunden Körnchen der Wahrheit scheint in vielen Kreisen ungelegen zu sein.

 

Dies ist ein subtiles Problem: es gibt „einflussreiche Kreise“, die destruktive Ziele in der Kirche realisieren und sich dabei des Gehorsams bedienen!

Mit solch einer heimtückischen Methode vermindert man die Ehre Gottes, deformiert man die Heilige Messe, zerstört Kirche, Tradition, Glauben, Frömmigkeit, eucharistischen Kult, Moral, man führt methodisch und ausdauernd zum Verwandeln des Christentums in eine andere neue Religion – new religion – eine anthropozentrische, subjektivistische, synkretistische, relativistische, anti-Göttliche Religion.

Nicht verkehrt ist also eine einfache Erinnerung: niemand von uns ist verpflichtet, immer, überall und allen gehorsam zu sein – unabhängig von sachlichem Inhalt der gegebenen Anweisungen.

 

Gott verlangt von uns Gehorsam innerhalb der Wahrheit und des Guten. Gott verlangt von uns keinen Gehorsam innerhalb der Lüge und des Bösen.

Eine wichtige Perspektive des Gehorsams in der Kirche ist die Treue zu der Göttlichen Offenbarung, die in der Heiligen Schrift und der Tradition enthalten ist. Streng genommen: ein wichtiger Bereich, in dem sich der berechtigte und gebührende Gehorsam in der Kirche realisiert – ist die Treue zu der Göttlichen Offenbarung, die im Wort Gottes und in der Tradition enthalten ist.

 

Ergo: Wenn die Hirten unterrichten und Anweisungen im Rahmen der Treue zu der Göttlichen Offenbarung, die im Wort Gottes und in der Tradition enthalten ist, geben, sind sie gute Hirten, die auf dem unfehlbaren Weg der Wahrheit und des Guten führen. Sie üben ihre Hirtenämter rechtmäßig und ehrenvoll aus. In diesen oben erwähnten Aspekten sind wir verpflichtet, gehorsam zu sein.

 

Wenn die Hirten aber Anweisungen erteilen, die sich Göttlicher Offenbarung, die im Wort Gottes und in der Tradition enthalten ist, widersetzen, sind sie wie Lohnarbeiter (Söldner), die auf dem Weg der Lüge und des Bösen zum Untergang führen. Sie üben ihr Hirtenamt usurpierend und unehrlich aus. In diesen Aspekten sind wir verpflichtet, mehr Gott als den Menschen gehorsam zu sein. (Vergl. Apostelgeschichte 5, 29).

 

Es gibt eine Art des Gehorsams, die destruktiv wirkt.  

 

Über berechtigten Widerstand und katastrophale Folgen des Gehorsams, der zu Untreue und zum Zertreten der Göttlichen Offenbarung führt, spricht Jesus:

 

 „Sinite illos: caeci sunt, duces caecorum. Caecus autem si caeco ducatum praestet, ambo in foveam cadent” -

„Lasst sie, es sind blinde Blindenführer. Und wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen.“ Mattäus 15, 14

 

Im Lichte der Worte des Herrn sprechen wir klar aus: es gibt so einen Gehorsam, welcher den Anweisenden wie auch den Hörenden in die Irre führt und stürzt. Dies ist der Weg der Untreue und des Verrates – dieser Weg führt zur ewigen Verdammnis. Passen wir auf! Christus warnt:

„Videte quid audiatis”- „Achtet auf das, was ihr hört!“ Markus 4, 24

 

Der heilige Paulus schreibt sehr klar:

„Miror quod tam cito transferimini ab eo, quivos vocavit in gratia Christi, in aliud evangelium; quod non est aliud, nisi sunt aliqui, qui vosconturbant et volunt convertere evangelium Christi. Sed licet nos aut angelusde caelo evangelizet vobis praeterquam quod evangelizavimus vobis, anathemasit! Sicut praediximus, et nunc iterum dico: Si quis vobis evangelizaveritpraeter id, quod accepistis, anathema sit!”

 

„Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet.

Doch es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen.

Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel.

Was ich gesagt habe, das sage ich noch einmal: Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als ihr angenommen habt, der sei verflucht!“ Galater 1, 6-9

 

Wenn dies also so ist, dann wäre es im Lichte des Gesagten wertvoll zu bemerken, dass der heilige Paulus nicht mal an Gehorsam in Sachen, die die kristallklare Wahrheit des Evangeliums verraten – gedacht hat – und ganz zu schweigen – sowas zu suggerieren oder zu befehlen! Ganz entschieden muss man alles ablehnen, was die kristallklare Wahrheit des Evangeliums verrät. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“  

Apostelgeschichte 5, 29

 

In den Zeiten der allgemeinen Verwirrung muss man sich – um eine vertiefte und im Lichte der Wahrheit durch das unfehlbare Lehramt der Kirche unterrichtete - Unterscheidung zwischen den Entscheidungen der Hirten und der Lohnarbeiter - ehrlich bemühen.  Dies ist eine Frage von höchster Wichtigkeit, die bis zu unserer Ewigkeit weit reicht. Von dieser Verpflichtung wurden wir von niemandem befreit.

Dies ist persönliche Verpflichtung jedes einzelnen Katholiken. Wenn wir zu unseren Lebzeiten Wort Gottes und Tradition verraten und zertreten haben, werden wir am Tage des Gerichtes nicht erklären, dass wir nur die Befehle ausgeführt haben.

 

Unsere Verpflichtung ist es, gehorsam zu sein, wenn die Hirten lehren und Anweisungen geben, die zu der im Wort Gottes und in der Tradition enthaltenen Göttlichen Offenbarung treu sind. Dann sind wir die „Mitarbeiter für die Wahrheit“ – cooperatores veritatis (3 Johannes, 8)

 

Unsere Verpflichtung ist es auch, katholischen Widerstand zu leisten – so wie die Heiligen es getan haben, wenn die Hirten lehren und Anweisungen erteilen, die der im Wort Gottes und in der Tradition enthaltenen göttlichen Offenbarung widersprechen.

 

In den Zeiten der allgemeinen Verwirrung nehmen wir uns als Vorbild einer kompromisslosen Treue zur Wahrheit – den Heiligen Athanasius, den Bischof und Kirchenlehrer. Ein Heiliger aus dem 4. Jahrhundert. Ein sehr aktueller Heiliger heute.

Dies ist auch eine Frage der Sorge um die Weitergabe des unberührten Depositum Fidei an weitere Generationen.

Geben wir den kommenden Generationen das integrale, unberührte und nichtmutierte katholische Glaubensgut weiter?

 

"Betet, betet viel

und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet." 


Betet täglich

den Rosenkranz

  

Maria, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden. Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unendliche Macht der erbarmenden Liebe. Dass sie dem Bösen Einhalt gebiete! Dass sie die Gewissen verwandle! In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung! 

Johannes Paul II. in Fatima, 13. Mai 1982    

  

Am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.

    

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