Aus der Vision der heiligen Schwester Faustyna

 

 

 

 Blick in den Himmel

   

Am 27. November 1936, durfte Schwester Faustyna in einer unermeßlich beglückenden Vision in die himmlische Herrlichkeit schauen. Sie berichtet darüber in ihrem Tagebuch:

"Heute war ich im Geiste im Himmel und schaute die unbegreiflichen Schönheiten und das Glück, das uns nach dem Tod erwartet. Ich sah, wie alle Geschöpfe unentwegt Gott Ehre und Ruhm erweisen. Ich sah, wie groß die Glückseligkeit in Gott ist, die sich auf alle Geschöpfe ergießt, sie mit unermeßlicher Wonne erfüllt, und wie aller Ruhm und alle Ehre aus der Beglückung zur Quelle zurückkehren. Sie dringen ein in die Tiefen Gottes,das innere Leben Gottes betrachtend - des Vaters, des Sohnes und des HeiligenGeistes -, das sie niemals begreifen oder ergründen werden. Diese Quelle des Glückes ist in ihrem Wesen unveränderlich, jedoch immer neu, Freude und Seligkeit sprudelnd für alle Geschöpfe. Jetzt kann ich den heiligen Paulus verstehen, der gesagt hat:
 

"Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, in keines Menschenherz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat,die Ihn lieben."  

 

Und Gott gab mir eines zu erkennen, was in seinen Augen unendlichen Wert hat - es ist die Liebe zu Ihm, Liebe, Liebe und nochmals Liebe; mit einem einzigen Akt reiner Gottesliebe ist nichts zu vergleichen. Mit welch unbegreiflicher Güte beschenkt Gott die Seele, die Ihn aufrichtig liebt. O glücklich die Seelen, an denen Er schon hier auf Erden sein Wohlgefallen hat - das sind die kleinen, demütigen Seelen. Die große Herrlichkeit Gottes, die ich erkannte, wird von all jenen, die im Himmel sind, gepriesen, je nach der Stufe der Gnade und der Rangordnung, in die sie eingeteilt sind. Als ich diese Macht und Größe Gottes sah, wurde meine Seele nicht von Schauer durchdrungen, auch nicht von Angst, nein - überhaupt nicht. Meine Seele wurde von Frieden und Liebe erfüllt. Je mehr ich Gottes Größe erkenne, desto mehr freut es mich, daß Gott so ist. Auch seine Größe freut mich unendlich und auch, daß ich so klein bin; weil ich so klein bin, trägt mich Gott in seiner Hand und hält mich an seinem Herzen.

O mein Gott, wie leid tun mir die Menschen, die nicht an das ewige Leben glauben; ich bete so sehr für sie, damit auch sie von einem Strahl der Barmherzigkeit erfaßt werden und Gott sie an sein väterliches Herz drücken möge."
 

 

  DerHimmel    

 

Besuche aus einer anderen Welt  

Nach den Offenbarungen an Fulla Horak  

 

 

 

Sehr viele Seelen verbleiben, nach dem sie den Neutralen Kreis verlassen haben, im Kreis der Erkenntnis - für immer.
Höheres zu begreifen, wären sie nicht fähig, mehr könnten sie nicht fassen. Sie sind mit Glück voll ausgefüllt und können deshalb nichts mehr wollen. Sie wissen einfach nicht, daß es noch einen höheren Glückszustand geben könnte als den, in dem sie sich befinden. Gleichzeitig begreifen sie, daß diese Belohnung, die Gott in seiner Liebe und Weisheit für sie bestimmt hat, überaus groß ist - sie haben sie noch nicht einmal verdient!
Gott hat den Seelen, an die er höhere Ansprüche gestellt und die er deshalb mit höheren geistigen Gaben ausgestattet hat, auch einen höheren Platz im Himmel zugewiesen, falls sie ihn nicht enttäuschen. Wenn sie zu ihren Lebzeiten nicht alle Anforderungen Gottes erfüllen, müssen sie sich durch das Leiden im Fegefeuer bis zur Erreichung der dem göttlichen Plan entsprechenden Stufe läutern. Diese Seelen gehen nach einem längeren oder kürzeren Aufenthalt im Kreis der Erkenntnis in den nächsten Kreis ein, den Ersten Kreis des Lichts.
Es geht dann immer so weiter. Entweder bleiben sie auf ewig, wo sie sind, oder sie steigen höher und höher, um für immer in dem Kreis des Himmels zu verbleiben, in dem die absolute Fülle des erreichten Glücks ihrem geistigen Fassungsvermögen entspricht.
Geradezu unübersehbar groß ist die Anzahl und unvorstellbar die Qualität dieser Hellen Kreise. Je höher, desto heller und schöner ist es in ihnen und desto mehr kann man in ihnen über Gott erfahren. So wie ein Klang auf einer Tonleiter konsequent, Ton für Ton, seinen höchsten Punkt erklimmt, werden viele Seelen eine helle Stufe der Vollkommenheit nach der anderen hochklettern, mit stets gleichbleibender Sehnsucht, durch immer höhere Kreise. So werden sie sich nach und nach an eine immer nähere Erkenntnis Gottes gewöhnen und den Punkt anstreben, an dem sie die vollkommene Erkenntnis und Seligkeit erreichen.
Auf diese Weise erreicht schließlich jede erlöste Seele, auf der Grundlage absoluter Gerechtigkeit, die sie versteht, anerkennt und achtet, die Stufe der ewigen Glückseligkeit, die dem göttlichen Plan entspricht. Nach einer ganzen Reihe von Kreisen des Lichts folgt der Kreis der Freude. In ihm halten sich die Seelen verstorbener Kinder und Seelen von Erwachsenen auf, die sich trotz ihres Alters ein kindliches Verhältnis zu Gott bewahrt haben, das voller Vertrauen, einfach und vollkommen ist.
Dem Kreis der Freude folgen der Kreis der Freiheit, des Lichts, der Güte und viele, viele andere.
Diese ranghohen Himmelskreise sind Aufenthaltsorte der Heiligen, und zwar nicht nur derjenigen, die heiliggesprochen sind. Ganze Scharen von stillen und auch schon zu ihren Lebzeiten Gott ergebenen Seelen, von deren Heiligkeit die Welt nichts weiß, bewundern und preisen in eben diesen ranghohen Kreisen des Himmels Gottes Allmacht und Heiligkeit.
Die hl. Magdalena-Sofia erzählte mir z. B. von einer Waschfrau, die heilig ist. Sie hat ihr ganzes Leben am Waschzuber verbracht und verdiente durch ihre schwere Arbeit das karge tägliche Brot für sich und ihre Familie. Sie wehrte und beklagte sich nicht, sondern nahm voller Demut alles als Gottes offensichtliche Fügung an. Bei der Arbeit lobte sie Gott ohne Unterlaß mit jeder Anstrengung, mit ihrer Müdigkeit und allen Entbehrungen, ohne große Worte, still, unbemerkt, einfach. Sie lebte mit dem ständigen Gedanken an seine Gegenwart, für seine Liebe überstand sie frohgelaunt eine lange Reihe von Jahren voller Demütigungen und Mühsal. Dafür wurde sie von Gott belohnt, und ihre Seele darf sein Antlitz sehen. Diese Wäscherin ist heute eine Heilige im Himmel ...

 

In den Kreis der göttlichen Weisheit gehen die Heiligen ein, die ihre ganze Kraft, all ihr Verständnis und Wissen auf der Erde dafür verwendet haben, die Belange Gottes zu vertreten.

 

Im Kreis der Gaben des Hl. Geistes verweilen jene, die durch Gebet, Sehnsucht und Verzicht die Gaben des Heiligen Geistes in ihrer Seele voll zur Wirkung bringen konnten und dadurch schon zu Lebzeiten die höchstmögliche geistige Reife erreichten.

 

Der höchste Kreis, den eine menschliche Seele erreichen kann, ist der Kreis der Liebe oder der Jungfräuliche Kreis. Hier verweilen jene Heiligen, die die Liebe Gottes im heiligsten Herzen Jesu über alles stellten, die für ihn dem Leben entsagt haben und niemals mit der gewöhnlichen Liebe in Berührung kamen.

 

Der letzte, allerhöchste Kreis des Himmels ist der Kreis der Herrschaft der heiligen Dreifaltigkeit. Ihre Heiligkeit und unmittelbare Macht erfüllt den ganzen Himmel mit unaussprechlichem Glück. Eine starke konzentrierte Helligkeit, aus der drei eng miteinander verbundene Flammenherde lodern, wirkt mit unbeschreiblicher Liebeskraft. Der Schein dieser Liebe - das heißt des Lichts und der Macht ergießt sich aus dem konzentrischen Flammenherd in die benachbarten Kreise der höchsten Hellen Geister.

 

Mit zunehmender Entfernung vom Zentrum wird die Wirkung des Lichts immer schwächer, denn die entlegeneren Himmelsbereiche könnten die so überaus stark konzentrierte Heiligkeit nicht ertragen. Gott - die ewige Helligkeit - ist demnach überall gleichzeitig, er erfüllt, durchdringt, durchstrahlt und heiligt alles mit seiner göttlichen Gegenwart. Nur Jesus und seine unbefleckte Mutter halten sich in ihren Körpern im Himmel auf. Die Seelen aller anderen Menschen warten erst auf das Jüngste Gericht und den Tag der Auferstehung, um sich dann wieder mit ihren Körpern zu verbinden.  

 

Für die heiligste Mutter Maria gibt es im Himmel keinerlei Beschränkungen. Sie ist die höchste der Heiligen, die Königin des Himmels und genießt deshalb absolute Ausnahmerechte und Privilegien. Genauso wie sich einst die Erlösung der Welt zuerst in ihrem unbefleckten Körper konzentrierte, um dann durch ihn in die Welt einzugehen, müssen sich heute die Strahlen der Gnade, die vom Himmel auf die Erde herabfließen, zuerst - wie in einem reinen Prismakristall - in ihr konzentrieren und vereinigen. Erst dann verbreiten sie sich wie zu einem Farbspektrum auseinandergefaltet in der Welt.

 

 

Wie ist der Himmel? Will man es "auf unsere Art" ausdrücken, muß man zuallererst sagen, daß der Himmel farbenfroh ist. Alles ist dort nämlich in Farben übersetzt.
Die Welt der menschlichen Sinne kennt nur einen verschwindend geringen Teil der im Universum vorkommenden Farben, nämlich den, den unsere sterblichen Augen wahrnehmen können. Die Augen der Seele können dagegen eine unendliche, unfaßbare Anzahl von Farben aufnehmen. Im Vergleich zu ihnen sind die Farben auf unserer Erde grau und schmutzig. Ihre Skala und Vielfalt sind so groß, daß wir uns nicht die kleinste Vorstellung davon machen können.
Heiligkeit ist weder schwach noch grau, sondern fröhlich und bunt! Genauso wie jedes Regiment seine eigenen Farben auf den Uniformen trägt, kann man im Jenseits an der jeweiligen Farbnuance die Beschaffenheit, den Charakter, die Art und Stufe der Heiligkeit erkennen. Für jede Eigenschaft, jede Tugend, jedes Verdienst findet man in der überreichlichen Skala der himmlischen Farben eine Entsprechung.

 

Die Seelen der Heiligen, die sich gegenseitig durchdringen, erkennen einander an ihren Farben. Man kann es mit dem Mischen von Farben bei uns vergleichen: Wir wissen z. B., daß Grün eine Mischung aus Gelb und Blau ist. Genauso erkennen die Geister an der Zusammensetzung der Aura, die den jeweiligen Heiligen umgibt, welche guten Eigenschaften zu seiner Heiligkeit beigetragen haben. Die Zusammenstellung und Intensität der jeweiligen Farben ergeben für jeden von ihnen ein individuelles, charakteristisches Licht. Aus diesem Grunde ist der Himmel farbenfroh.

 

Weil die schwache, unbeholfene Vorstellung des Menschen keine andere Beschreibung findet, sagt man, das ewige Glück bestehe aus Gesang, der die Ehre Gottes verkündet, und aus ununterbrochenem Schauen in das Antlitz Gottes.
Der Himmel ist alles andere als Stillstand und Tatenlosigkeit! Das "Schauen in das Antlitz Gottes" ist ein Unvermögen, irgend etwas anders als seinem Willen gemäß zu tun. Um es etwas verständlicher für uns auszudrücken, könnte man den Zustand einer erlösten Seele mit einem gehorsamen, zielgerichteten und schöpferischen Kreisen ihres Bewußtseins im Herzschlagrhythmus der göttlichen Allmacht vergleichen. Welch ein Glück ist das!

 

Die erlöste Seele sieht und versteht, kennt und bewundert die Macht, Güte, Heiligkeit und Weisheit Gottes, und an dieser Weisheit erfreut sie sich, sie schöpft und lebt von ihr. Der Verstand kann, nachdem er durch das Erkennen der Wahrheit erhellt und vom Hl. Geist durchdrungen ist, nicht anders, als nur im Einklang mit der Weisheit Gottes zu denken. Ein hörender Mensch kann seine Ohren nicht so fest verdecken, daß das Donnern von Geschützen z. B. sie nicht erreichen würde. Sein Gehör muß dieses Geräusch naturgemäß aufnehmen. Genauso kann eine Seele, die mit Gnade bedacht und vom Hl. Geist durchdrungen ist, nicht aufhören, aufmerksam zu sein. Sie kann nichts anderes fassen. Das aufmerksame Betrachten, Verstehen und Bewundern der großartigen Harmonie und Ordnung der göttlichen Pläne, vollkommene Zufriedenheit und Begeisterung für sein Gesetz - das ist der Himmel! Alles ist gerecht. Alles ist gut und hell. Jeder besitzt das, was ihn ausfüllt, das, nach dem er sich während seiner irdischen Wanderung gesehnt hat, und das, nach dem er sich aufgrund geistiger Unzulänglichkeiten nicht sehnen konnte.
Hier auf der Erde verwirklicht sich alles, was wir uns vorstellen können. Alle Gedanken des Menschen nämlich, selbst die phantastischsten, sind kaum mehr als ein blasser, entfernter Reflex des göttlichen Erfindungsreichtums.
 

 

Gottes Phantasie kennt keine Grenzen, und jeder Gedanke von ihm ist gleichzeitig ein schöpferischer Akt.

 

Im Himmel findet die Seele alles, was sie ersehnt und findet es in vollkommener Form. Sie entdeckt sogar, was unbeachtet als eine Sehnsucht in ihrem Innersten gelegen hat.
Nachdem die Seele alles besitzt, was sie bis an den Rand mit Glück ausfüllt, empfindet sie eine überaus große Liebe zum Spender dieser Gaben. Darüber hinaus bewirken die ständige Verbindung zu ihrem Schöpfer und der Empfang immer weiterer Gaben, daß das geistige Leben eine einzige Kette von Dankbarkeit und Begeisterung ist. Die Verbindung zu Gott ist um so intensiver und stärker, je mehr der Mensch ihn zu seinen Lebzeiten geliebt hat.
Die Menschen können außer der allmächtigen Fügung Gottes und der überaus liebevollen, großen Fürsprache der heiligsten Jungfrau Maria auch noch die Hilfe von himmlischen Geistern jeder Rangordnung für sich in Anspruch nehmen. Diese sind, um die Ehre Gottes zu mehren, jederzeit bereit, den Menschen auf der Erde zu helfen.

 

Die Triumphierende Kirche ist eine grenzenlose Sphäre der Helligkeit, des Glücks und der Macht, angefangen mit der heiligen Dreifaltigkeit bis hin zu der ärmsten, mit nur wenigen Gaben ausgestatteten Seele, die ihren Platz am äußersten Rand des Kreises der Erkenntnis hat. Aus dieser unermeßlichen Fülle hat Gott bestimmte Kräfte, bestimmte Kreise und bestimmte Kategorien der Geister zum unmittelbaren Wirken auf der Erde eingeteilt.
Auf diese Weise genießt in erster Linie der Mensch die Fürsorge von Schutzengeln, Patronen, Betreuern und einer ganzen Schar Heller Geister. Helle Geister sind die Seelen erlöster Menschen, die gemeinsam mit den Heiligen für die Ehre und Liebe Gottes "arbeiten". Sie suchen sich auf der Erde Menschen aus, die ihren Fähigkeiten entsprechen, und diesen wollen sie helfen,Gott mit Freude zu dienen. Auf diese Weise wollen sie die ihnen nach dem Gradihrer Heiligkeit, Helligkeit und Macht zuerkannten Möglichkeiten nutzen und zum Einsatz bringen.
Nachdem ein Heller Geist einen Menschen gefunden hat, der in seiner geistigen Entwicklung mit der Wirkung dieses Hellen Geistes übereinstimmt, bemüht er sich, ihn durch Inspiration für die Belange Gottes zu gewinnen. Wenn sich der Mensch von seinem guten Willen leiten läßt und vertrauensvoll dem Einfluß des Hellen Geistes unterwirft, entwickelt er sich geistig weiter und mit zunehmender geistiger Entwicklung gewinnt er auch an Fähigkeiten. Dann wechseln die ihn betreuenden Geister. Die einen haben ihre Aufgabe erfüllt und verabschieden sich, andere, stärkere, schweben herbei, um schließlich die Grundlage für den endgültigen und ständigen Betreuer der Seele herzustellen, der gewöhnlich ein Heiliger ist.

Der Geist des heiligen Betreuers muß in seinem Charakter und seinen Fähigkeiten der Wesensart des Menschen entsprechen, den er unter seine Obhut nimmt.
Der Heilige, der aufgrund seiner Verdienste eine bestimmte Stufe der Vollkommenheit erreicht hat, wirkt aus diesem hohen Niveau heraus. Er schöpft gewissermaßen von dem Kapital, über das er nach dem Willen Gottes verfügen darf, und in einer ihm ähnlichen und verwandten Seele kann er leichter und schneller wirken. Durch die Wärme und das Licht, die im Wirken des hl. Betreuers enthalten sind, entwickeln sich in dem Menschen alle die guten Anlagen, die Gott in seine Seele gesät hat.
Der Heilige kann ohne Wissen des Menschen zum Betreuer werden, wenn er weiß, daß dieser Mensch die Sache Gottes auf Erden wirkungsvoll vertreten und in diesem Zusammenhang, gefördert durch diese unverdiente Gnade, viel Gutes tun kann. Das kann aber auch geschehen, wenn der Mensch einen bestimmten Heiligen in sein Herz schließt und diesen andächtig bittet, sein Betreuer zu werden.
Ist ein Mensch innerlich schwankend und unentschlossen, hat er offensichtlich noch keinen starken Betreuer, oder - was noch schlimmer ist, er hat gleich einige davon, und diese kommen aus der Welt der Dunkelheit. Wenn der Mensch nämlich keinen starken Willen zum Guten hat, siegt in ihm meistens das Böse, oder er bleibt bis zu seinem Tode bestenfalls "lauwarm". Zu einem Menschen ohne guten Willen der sich noch nie, nicht einmal versuchsweise, bemüht hat, diesen in sich auszubilden, hat der Heilige keinen Zugang. Durch Gebete und durch Liebe zu einem der Heiligen kann ein Mensch, auch wenn er noch so unsicher ist, einen starken Betreuer gewinnen und das Wirken dieses Betreuers läßt jegliche Unsicherheit bald spurlos verschwinden. Wenn man einen Heiligen um Betreuung bitten will, muß man eine willkürlich gewählte Novene, eine neuntägige Gebetsandacht, zu ihm verrichten. Man beendet sie mit der Beichte und der hl. Kommunion. Die ganze Zeit hindurch muß man aufrichtig und innig zu dem gewählten Heiligen beten. Wenn das Gebet von Herzen kommt, in reiner Absicht und ausschließlich an einen Heiligen gerichtet ist, geschieht es oft, daß man am neunten Tag, vollkommen real und deutlich, die Anwesenheit des hl. Betreuers neben sich spürt.

 

Ein Mensch mit verschiedenen Begabungen und Interessen kann auch mehrere Heilige - je nach ihren Fähigkeiten - wählen und sie alle gleichzeitig um Betreuung bitten. Es ist jedoch leichter, sich an einen einzigen hl. Betreuer zu gewöhnen und mit ihm vertraut zu werden. Es sollte der Heilige sein, zu dem uns unser Herz am stärksten hinzieht. Ein Namenspatron ist nicht automatisch der Betreuer seines Namensträgers auf der Erde. Er kann jedoch zum Betreuer werden, wenn man ihn im Gebet darum bittet. Doch auch vorher kennt der Namenspatron bereits jeden Menschen auf der Erde, der seinen Namen trägt und erkann mit seiner Inspiration den Wunsch nach einer ständigen Betreuung durch ihn in einem Menschen fördern.
Wenn ein Namenspatron zum Betreuer einer Seele wird, ist sein Wirken besonders stark und wird nach dem Tode fortgesetzt.

 

An dem Tag, an dem die Kirche das Fest eines bestimmten Heiligen begeht, werden alle innerhalb des letzten Jahres erreichten Ergebnisse seines Wirkens auf der Erde belohnt und der Heilige gewinnt an Ehre. Das "Namenstagskind" steigt dann bis zu den untersten Kreisen des Himmels herab, um die Huldigungen und Danksagungen der Seelen entgegen zunehmen, denen er bei der Erreichung ihrer Glückseligkeit geholfen hat. An diesem Tag hat er außerdem die Möglichkeit, Gott um Gnade für die Seelen zu bitten, die noch unter großen Qualen im egefeuer leiden und die ihm zu ihren Lebzeiten besondere Verehrung entgegengebracht oder seinen Namen getragen haben.
Es ist von großer Bedeutung, eine hl. Messe für die Seele eines Verstorbenen am Tag seines Namenspatrons lesen zu lassen.

 

In dem gleichen Augenblick, in dem Gott die Seele eines Menschen erschafft, teilt er ihr auch einen Schutzengel zu. Ein Schutzengel ist ein Geist, dessen Begabungen eng an die Begabungen der Seele angepaßt sind, die er betreuen soll.
Der Schutzengel, ein Wesen, das mit Gott verbunden ist und Gott begreift, besitzt aus eben diesem Grunde einen absolut unabhängigen, vollkommenen Verstand. Da er jedoch ein ständiger Begleiter des Menschen in allen Lebenslagen sein soll, ist die Intelligenz eines Schutzengels flexibel und in der Lage, sich jedem Lebensalter und jeder Entwicklungsstufe des Menschen anzupassen. Man könnte deshalb sagen, daß ein Schutzengel mit dem Menschen wächst, obwohl diese Bezeichnung natürlich nicht ganz richtig ist.

 

Wenn die Menschen ihr geistiges Leben voll ausschöpfen würden, könnten sie ihren überaus freundlichen, am besten zu ihnen passenden Begleiter neben sich wahrnehmen. Vom Säuglingsalter an - über Kindheit. Jugend, Erwachsensein bis zum Greisenalter - die ganze Zeit über könnten sie mit ihm zusammenleben wie mit einem besonders treuen, ergebenen und zuverlässigen Freund. Durch die Tatsache jedoch, daß die materielle Welt dem Menschen die Sicht auf die geistige Welt fast völlig verdeckt, kennt nur noch der Säugling den wundervollen Kontakt zu seinem Engel.    

 

Ein Lächeln, das fast unbemerkt über das Gesicht eines schlafenden Kindes huscht, ist der Abglanz dieses freudigen Kontaktes. Später verwischt sich dann durch die Schuld und Unvollkommenheit der menschlichen Natur, dieser deutliche Kontakt und nur in sehr seltenen Fällen schafft es ein Mensch, ihn wieder herzustellen.
Die Fürsorge des Schutzengels für den Menschen beschränkt sich darauf, ihn vor dem zu schützen, was ihm nach göttlicher Fügung begegnen könnte. In diesen Fällen hat der Schutzengel das Recht, bei der göttlichen Vorsehung zu intervenieren, und er kann den Menschen durch seine Fürsprache vor so manchem bewahren. Das kann jedoch nur dann geschehen, wenn der gute Wille des Menschen, zumindest im Unterbewußtsein, auf die inneren Eingebungen und Warnungen seines Schutzengels hört.
In psychischer Hinsicht hat der Schutzengel die Pflicht, den Menschen an die Eingebungen und Lichter zu erinnern, die ihm Gott durch die Vermittlung von Heiligen herabschickt, diese Eingebungen und Lichter festzuhalten und zu vertiefen, die der Mensch ohne das Wirken des Engels noch häufiger übersehen und vernachlässigen könnte, als es leider auch trotz dieses Wirkens geschieht.

 

Da der Schutzengel ständig mit einem Menschen zusammen ist, setzt ihn der Mensch großen Schmerzen, großer Traurigkeit und Qual aus, wenn er sündigt. Als ein Wesen, das Gott liebt und dessen Liebe zu Gott bewußt und absolut ist, kann er die Atmosphäre der Sünde nicht ertragen. Nach dem Willen Gottes jedoch reißt die Verbindung des Engels mit der Seele auch dann nicht ab, wenn der Mensch der Sünde verfällt, im Gegensatz zu der Verbindung mit Gott oder den Heiligen, die durch bewußte Wahl des Bösen getrennt wird. Ein Schutzengel liebt die Seele des Menschen wie eine Zwillingsschwester und wünscht ihre baldigste Erlösung, denn schließlich hängt der Grad seiner eigenen Glückseligkeit davon ab.
Wenn eine Seele ihre Fegefeuerstrafe verbüßt, wartet ihr Schutzengel sehnsüchtig auf sie auf der höchsten für sie bestimmten Stufe des Himmels, auf dem Niveau, das die Seele nach ihrer Läuterung erreicht. Er ist weiterhin mit ihr verbunden. Als vollkommener Geist kann er zwar nicht mit ihr gemeinsam leiden, aber solange der göttliche Plan in Bezug auf diese bestimmte Seele nicht ganz erfüllt ist, wird der Schutzengel auch kein absolutes Glück erleben.
Ein Schutzengel kann niemals eine höhere Stufe der ewigen Glückseligkeit erreichen als die ihm anvertraute Seele. Hier gilt gewissermaßen das Gesetz miteinander kommunizierender Gefäße. Sobald jedoch beide auf dem höchsten Punkt der ewigen Glückseligkeit angelangt sind, verändert sich ihr Verhältnis zueinander auf bestimmte Weise. Der Verstand einer erlösten Seele hat aufgrund des absoluten Begreifens und der Nähe zu Gott dieselbe Reife erreicht, die der Verstand des Schutzengels von Anfang an schon von Natur aus besaß. Man könnte es mit der Situation zweier Brüder vergleichen, von denen der eine um vieles älter ist als der andere. In der Kindheit und Jugend ist der Unterschied zwischen beiden auffällig, wenn jedoch beide eine gewisse Altersstufe überschritten haben, verwischt sich dieser Unterschied ganz.

 

Ein Schutzengel wird die erlöste Seele, die er beschützt hat, niemals verlassen. Er bleibt für die ganze Ewigkeit bei ihr. Da jedoch der Engel von Natur aus die Erkenntnis Gottes besitzt, die Seele sich dieses Glück aber durch ihre - gnädig unterstützten - Verdienste erarbeitet hat, wird der Schutzengel, sobald sie ihre Erlösung erreicht hat, der Seele in Freude, Liebe und unaufhörlicher Anbetung Gottes "dienen". Gleichzeitig wird er für sie ein Führer durch die himmlische Glückseligkeit sein.

 

Das Band, das die Seele mit ihrem Schutzengel verbindet, ist so stark, daß die ewige Verdammnis der Seele - und nur die allein - es für immer durchreißen kann.
Der verwaiste Engel erhält dann von Gott eine andere Seele zur Pflege. Die Erinnerung an die erste, die sich trotz seiner Bemühungen, trotz Gottes Gnade und Hilfe, eigenwillig für das Böse entschieden hatte, verschwindet aus dem Bewußtsein des Schutzengels.

 

Neben der Betreuung von Menschen haben die Heiligen und Hellen Geister die Aufgabe, die Eucharistie auf der Erde ununterbrochen zu verehren. In jeder Kirche und Kapelle, in der das heiligste Sakrament aufbewahrt wird, wechseln sich - außer den Engeln - verschiedene Heilige in der Bewachung des Tabernakels ab. Diese Ehrenwache wird - voller Stolz und mit Liebe - am häufigsten vom Patron der jeweiligen Kirche gehalten. Nicht einen Augenblick lang sind der heiligste Leib und das heiligste Blut unseres Herrn ohne diese unsichtbare Assistenz.
Solange das Reich Gottes nicht auf die Erde kommt und unser Herr Jesus nur ein Gefangener des Tabernakels bleibt und nicht in allen menschlichen Seelen und Herzen zugegen ist, solange wird die Triumphierende Kirche dafür sorgen, daß die geheimnisvolle Gegenwart Gottes in Brot und Wein nicht einen Augenblicklang ohne Anbetung bleibt. Die unsichtbare Welt ist voll von Geistern verschiedener Art. Läßt ein Mensch freiwillig und für immer einen Geist, welcher Art auch immer an sich herankommen, wird dieser Geist zum Vertrauten, Ratgeber, Betreuer des Menschen - und schließlich zu seinem Herrn.
Es ist ein Irrtum zu glauben, daß unsere Gedanken - ob gut oder schlecht - unsere eigenen Gedanken seien. Ohne sich dessen bewußt zu sein, lauscht der Mensch jederzeit den Einflüsterungen der geistigen Welt, denen er entweder nachgibt oder widersteht.
Alle Wünsche, Gedanken, Ideen, schöpferischen Kräfte, die sich in jede beliebige Richtung bewegen können, all das, was der Mensch "sein" zu nennen pflegt, es wird ihm lediglich von der ihn von allen Seiten umgebenden übernatürlichen Welt eingegeben.
Nicht ein einziger Gedanke entsteht in seinem Gehirn von selbst. Das Gehirn ist bloß ein - wenn man so sagen kann - Empfänger der im Jenseits ausgesandten Wellen. Die Urteilskraft des Menschen und sein freier Wille entscheiden lediglich darüber, ob er sich der jeweiligen Welle unterwirft, ob er sie akzeptiert und ihrem Wink folgt oder nicht. Die Geister, gute oder böse, können uns höchstens dies oder jenes raten, eingeben, können uns zureden, sie können uns jedoch zu nichts zwingen. Das einzige, was der Mensch nämlich wirklich besitzt, ist sein freier Wille. Nicht einmal Gott nimmt ihn uns weg, da er ihn uns einst mit voller Absicht zuerkannt hat.

  

 

 

 

"Betet, betet viel

und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet." 


Betet täglich

den Rosenkranz

  

Maria, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden. Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unendliche Macht der erbarmenden Liebe. Dass sie dem Bösen Einhalt gebiete! Dass sie die Gewissen verwandle! In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung! 

Johannes Paul II. in Fatima, 13. Mai 1982    

  

Am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.

    

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