Betrachtungen  

über die letzten Dinge

aus dem Gebetbuch fürVerehrer der heiligen Herzen Jesu und Maria, 1909

 

 

 

I. Vom Tode

 

Nur einen Schritt bin ich vom Tode entfernt

 

1. Der Christ, der nicht christlich gelebt hat, hat Ursache, sich vor dem Tode zu fürchten. Sterben als Feind Gottes, welch trauriger Tod! Welch strenge Rechenschaft nach einem weltlichen Leben! Welche Reue, so viele Gelegenheiten des Heiles versäumt zu haben! Bedenke es wohl, bevor es zu spät ist!

 

2. Was wirst du in der Todesstunde wünschen, getan zu haben? Tue es jetzt, denn du hast keine Zeit zu verlieren: jeder Augenblick kann der letzte sein; jeder Augenblick ist ein Schritt zum Grabe. Lebe daher so, dass der Tod dich nicht unvorbereitet finde.

 

3. Der Tod ist der zuverlässigste Ratgeber; er zeigt dir die Welt und ihre Freuden in ihrem wahren Lichte und öffnet dir die Augen über so viele Täuschung. Frage ihn daher oft: "Was wird aus diesem Gelde, aus diesem Vergnügen, aus dieser Schönheit werden? Was werde ich davon halten?" Ach, wie armselig wird mir die Welt beim Schimmer der Sterbekerze vorkommen?

 

Gewöhne dich, jede Handlung des Tages so zu verrichten, als wäre sie die letzte deines Lebens.

 

II. Vom letzten Gericht

 

Wer wird vor dem Angesichte seines Zornes bestehen?

 

1. Ich muss einst vor dem Richterstuhe Christi erscheinen, um über mein vergangenes Leben Rechenschaft abzulegen. Keine Wahrheit ist deutlicher in der heiligen Schritt ausgesprochen, als diese. Ich glaube sie so fest, als hörte ich schon die Pusaunen des Gerichtes; aber handle ich auch danach?

 

2. Wie werde ich so viele böse Gedanken, schlechte Handlungen und verschmähte Gnaden verantworten? O schrecklicher Tag des Zornes, wo selbst die geheimsten Regungen des Herzenes offenbar werden! O wenn der Gerechte kaum besteht, wie wird es dem Sünder ergehen?

 

3. Welches Urteil hat der unbußfertige Sünder zu erwarten? O schreckliche Worte: "Weichet von mir, ihr Verfluchten!" Wohin sollen sie gehen, wo sollen sie sich vor Gottes Zorn verbergen? Verbannt aus seiner heiligen Gegenwart, ist ihre Wohnung in dem ewigen Feuer, das dem Teufel bereitet war. Welch ein Los!  

 

Stelle dich in Gedanken vor den Richterstuhl Christi. Wessen würdest du dich am meisten schämen? Tilge auch die geheimsten Sünden durch wahre Buße.

 

III. Von der Hölle

 

Wer von euch wird wohnen können im verzehrenden Feuer?

 

1. Welch tödliches Schrecken würde uns befallen, wenn wir das Jammergeschrei der Verdammten hören könnten! Sie jammern, sie heulen, sie rufen wie wilde Tiere: sie beweinen und verfluchen ihre Sünden; aber es ist zu spät. Ihre Tränen dienen nur zur Vergrößerung ihrer Qual. O Reue der Verdammten, wie unnütz bist du!

 

2. Ewig von Gottes Angesicht verstoßen sein, brennen in einem Feuer, das der Zorn Gottes angefacht hat, leiden alle Quallen ohne Torst, ohne Linderung; welch ein Leben! Wie bitter sind die Folgen der Sünde!

 

3. Die Unglücklichen wüten wider sich selbst, weil sie selbst an ihrem Unglücke schuld sind. Sie haben so viele Gelegenheiten, sich zu retten, unbenutzt gelassen, so viele Gnaden verscherzt, so viele Warnungen verhöhnt. Ewig verdammt aus eigener Schuld; Gott verloren für Kleinigkeiten; den Himmel verscherzt für augenblickliche Sinnenlust, welch entsetzlicher Gedanke für die ganze Ewigkeit!

 

Steige im Geiste in die Hölle hinab und frage dich, was dich dahin bringen könnte.

 

IV. Von der Ewigkeit der Höllenstrafe

 

Ein Augenblick Lust, eine Ewigkeit Qual

 

1. Unglücklich sein, solange ein Gott ist, wie schrecklich ist dies! Ist es nicht genug, dass die Peinen der Verdammten unermeßlich sind, müssten sie auch noch uendlich sein? - Ist der unbedeutende Schmerz eines Nadelstiches unerträglich, wenn er lange anhält, wie unerträglich sind dann die Höllenstrafen, die ewig dauern? O Sünde, wie wirst du gestraft!

 

2. O Ewigkeit, was bist du? Wenn ein Verdammter alle tausend Jahre eine Tränen vergösse und so lange weinte, dass er mit diesen Tränen endlich alle Flüsse und Meere angefüllt hätte, wäre die Ewigkeit dann zu Ende? - Nein, der Unglückliche stände noch am Anfange seiner Qualen. Und wenn er mit seinen Tränen die Meere und Flüsse so oft angefüllt hätte, als Sandkörner am Strande des Meeres sind, so wäre von der Ewigkeit noch nichts vorüber. O augenblickliche Lust, wie lange wirst du gestraft!

 

3. Die Verdammten haben nicht nur für eine Ewigkeit zu leiden, sie leiden auch jeden Augenblick die ganze Ewigkeit. Sie ist ihnen immer gegenwärtig und durchdringt alle ihre Qualen. Immer steht es vor ihrem Geiste, dass ihr Unglück nie enden wird. O schrecklicher Gedanke, o jammervoller Zustand, ewig brennen, ewig weinen, ewig verzweifeln!

 

Ertrage mit Geduld die Leiden dieses Lebens; es ist alle Trübsal noch lange nicht die Ewigkeit!

 

V. Vom Himmel

 

Wenn die Mühe dich abschreckt, so reize dich der Lohn

 

1. Himmel! Welch ein Wort! Es ist die Erfüllung aller unserer Wünsche, der Sammelplatz alles Guten, das Meisterwerk der Großmut Gottes, der Preis des Blutes Christi. Wie schön, wie entzückend muss er sein! Und ich sollte nichts tun, nichts leiden dafür?

 

2. Der Mittelpunkt alles Glückes der Seligen ist Gott, die unendliche Schönheit und Güte. Ihn schauen in seiner Herrlichkeit, ihn lieben ohne Maß, ihn besitzen ohne End`, in ihm sich freuen ohne Unterlass: das ist die Seligkeit, das Ziel und die Erfüllung aller unserer Hoffnungen. - Nur noch eine kurze Zeit der Verbannung, und meine Seele soll ewig im Herrn sich freuen!

 

3. Die Märtyrer haben den Himmel mit ihrem Blute erkauft, und dennoch glaubten sie, ihn umsonst erhalten zu haben. Und ich sollte mich beklagen, wenn Gott für den Himmel einige Opfer verlangt? Ich sollte es der Mühe nicht wert achten, mich zu überwinden, mir einiges zu versagen, um die ewigen Freuden dadurch zu erwerben? O selige Ewigkeit, wüßten doch die Menschen, was du wert bist!

 

Denke oft an den Himmel, besonders wenn die Erfüllung deiner Christenpflicht dir lästig wird. Hänge dein Herz nicht an diese Erde, sie ist deiner Liebe nicht wert.   

 

   

 

 

"Betet, betet viel

und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet." 


Betet täglich

den Rosenkranz

  

Maria, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden. Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unendliche Macht der erbarmenden Liebe. Dass sie dem Bösen Einhalt gebiete! Dass sie die Gewissen verwandle! In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung! 

Johannes Paul II. in Fatima, 13. Mai 1982    

  

Am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.

    

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